Aviationsuisse nutzte die Generalversammlung am 23. März 2026 nicht nur für den Rückblick, sondern auch für eine Standortbestimmung. Das Jahr 2025 stand im Zeichen einer geschärften politischen Positionierung. Mit der Übergabe der Aviationsuisse-Charta an Bundesrat Albert Rösti hat der Verband seine Leitlinien verdichtet: Die Schweiz braucht eine Luftfahrt, die entwicklungsfähig, wettbewerbsfähig und verlässlich bleibt. Wer ein exportorientiertes, international verflochtenes Land sein will, muss die Erreichbarkeit langfristig sicherstellen. Entsprechend setzte sich Aviationsuisse auch in den politischen Dossiers des Jahres für stabile Rahmenbedingungen ein – namentlich bei den Betriebszeiten der Landesflughäfen, die auch in der Revision des Luftfahrtgesetzes gesichert werden sollen.

Luftfahrtpolitik ist auch Standortpolitik

Wie konkret diese Fragen werden, wenn man sie nicht in Bundesbern, sondern in einer Flughafenstadt betrachtet, zeigte das Gespräch mit René Huber. Der langjährige Stadtpräsident von Kloten hat die politische Entwicklungen über Jahrzehnte mitgeprägt. Seit 1994 im Stadtrat, seit 2006 Stadtpräsident, hat Huber die Ausschläge des Luftfahrtstandorts aus nächster Nähe erlebt: das Swissair-Grounding, die Pandemie – und immer die Erholungen danach. Gerade darin lag der Reiz des Gesprächs. Huber sprach nicht über Luftfahrt als Abstraktum, sondern als politische Realität. In Kloten, das wurde einmal mehr deutlich, ist der Flughafen kein fernes Infrastrukturthema, sondern Teil des städtischen Alltags, der wirtschaftlichen Basis und des politischen Taktgefühls. Wenn die Luftfahrt ins Stocken gerät, spürt es die Stadt rasch – bei den Arbeitsplätzen, bei den Steuereinnahmen, in der Stimmung. Und wenn sie sich erholt, gilt dasselbe. Hubers Erfahrung verdichtet sich deshalb in einer einfachen Einsicht: Luftfahrtpolitik ist immer auch Standortpolitik. Wer über den Flughafen spricht, spricht nicht nur über Starts und Landungen, sondern über die Entwicklungsfähigkeit einer ganzen Region.

Studie: Bevölkerung betrachtet Luftfahrt differenziert

Einen zweiten Akzent setzte der Werkstatt-Einblick zur Studie «Schweizer Luftfahrt» von Lisa Frisch vom Forschungsinstitut Sotomo. Die von Aviationsuisse in Auftrag gegebene Studie untersucht schweizweit und mit besonderem Blick auf die Flughafenregionen Zürich, Basel und Genf, wie die Bevölkerung auf die Luftfahrt blickt – auf ihre volkswirtschaftliche Bedeutung, auf ihre persönliche Nutzung, auf Klima, Lärm und Betriebszeiten. Die Datenbasis ist breit, die Studie wissenschaftlich angelegt; die vollständigen Resultate werden Ende April vorliegen und im Mai vorgestellt. Schon jetzt deutet sich an, dass die Luftfahrt in der Schweiz eher als Chance denn als Belastung wahrgenommen wird. Das spricht dafür, dass die Bevölkerung – auch in den Flughafenregionen – differenzierter auf die Luftfahrt blickt, als manche Schlagzeile vermuten lässt.

Aviationsuisse versteht sich als Stimme der Nutzer des Luftverkehrs in der Schweiz (international ausgerichtete Unternehmen und Dienstleister, Exportindustrie und Logistikunternehmen, Tourismus, Hotellerie, Forschung, Kultur). Aviationsuisse unterstützt alle Bestrebungen, die den Luftverkehr von und nach der Schweiz nachhaltig stärken und schaltet sich über Politik und Verwaltung aktiv in den nationalen, luftverkehrspolitischen Meinungsbildungs- und Gesetzgebungsprozess ein. Präsidentin ist Dr. Regine Sauter, Nationalrätin FDP.