Die zweiteilige Reise war technisch als «Entwicklungs»-Testflug klassifiziert (im Gegensatz zu einem «Zertifizierungs»-Testflug). Ziel war es, nachzuweisen, dass das von zwei Rolls-Royce Trent XWB-97-Triebwerken angetriebene Flugzeug in der Lage ist, einen Flug mit einer «Blockzeit» von 23 Stunden zu bewältigen. Mit der Blockzeit ist die Zeitspanne vom Lösen der Feststellbremse beim Abflug bis zum Anlegen derselben am Ankunftsort gemeint. Insbesondere diente der Flug auch dazu, den Kabinenkomfort durch Messungen der Klimaanlage und der Treibstoffmanagementsysteme zu validieren, vordergründig den zusätzlichen hinteren Mitteltank (RCT) – mit einer Treibstoffkapazität von 20’900 Litern –, der Ultra-Langstreckenflüge über eine Entfernung von fast 10’000 nm erst ermöglicht.

Doppelter Ruhebereich für die Crew

Darüber hinaus bewertete die Besatzung den neuen doppelten Ruhebereich für die Flugbesatzung (Flight Crew Rest Compartment, FCRC) der ULR – der umfassend mit Messgeräten ausgestattet war, um die Leistung der Klimaanlage zu messen. Dieses neue Modul, das speziell für die extrem langen Einsätze der A350-1000ULR entwickelt wurde, verfügt über zwei separate, eigens dafür vorgesehene Bereiche mit individuellen Eingängen. Diese Modifikation stellt sicher, dass die Piloten im Linienbetrieb ihre jeweiligen Ruhebereiche betreten oder verlassen können, ohne sich gegenseitig zu stören.

Gastpiloten von Quantas

Die Besatzung auf dem Hinflug bestand aus vier Airbus-Piloten, zwei Testflugingenieuren (TFEs) (Cockpit) sowie drei Flugtestingenieuren, (FTEs) (Kabine). Auf dem Rückflug – von Melbourne zurück nach Toulouse – übernahm Airbus-Testpilot Xavier Pepin die Rolle des Kapitäns. Zu den drei Airbus-Piloten gesellten sich zwei Quantas-Piloten, die zwar bereits für den A350 qualifiziert waren, auf der ULR-Variante aber noch keine Erfahrung hatten. 

Via Pazifik und Atlantik zurück nach Europa

Dieser noch längere Flug führte vom Start in Melbourne über den Pazifik in Richtung Los Angeles, durch die USA und Kanada, dann südlich von Grönland über den Atlantik, weiter über Grossbritannien und zurück nach Südfrankreich. Pepin erklärt, dass für den Rückflug eine nordatlantische Route gewählt wurde, um Flugwege von Fluggesellschaften zu vermeiden, die zum Zeitpunkt des Starts möglicherweise noch nicht aktualisiert worden waren. So wollte man potenzielle Probleme mit der Flugsicherung, etwa über nicht übereinstimmende Flugpläne, vermeiden.

Vierstündige Schichten

«Um die Ermüdung während der 20- bis 23-stündigen Flüge zu bewältigen, haben wir für jeden Piloten vierstündige Schichten eingeführt, die Besatzung jedoch alle zwei Stunden abgewechselt. Dieser gestaffelte Ansatz stellt sicher, dass sich ein neuer Pilot, wenn er das Cockpit betritt, zwei Stunden lang mit dem ablösenden Piloten überschneidet», so Pepin. Dies habe eine gründliche Übergabe erleichtert und ein uneingeschränktes Situationsbewusstsein gewährleistet.

Erste Erfahrungen für die Quantas-Piloten

Der Zeitplan war so ausgelegt, dass die Quantas-Piloten zu bestimmten Zeiten das Steuer übernehmen konnten. Dies ermöglichte ihnen, erste Erfahrungen mit der A350-100ULR-Variante zu machen. Dabei sass immer mindestens ein Airbus-Testpilot auf einem Pilotensitz, um die Sicherheit des Einsatzes zu gewährleisten, da Airbus die Verantwortung für den Betrieb trägt. Den Wissensaustausch und die Beantwortung der Fragen der Quantas-Piloten während des gemeinsamen Ultra-Langstreckenflugs habe er sehr genossen und geschätzt, so Pepin.