Der Start zur diesjährigen Coupe Aéronautique Gordon Bennett erfolgte mitten in der Nacht im deutschen Gladbeck. Bald zeichnete sich ab, dass das Team SUI-2 einen anderen Weg als die anderen Teams einschlug. Ihr Ballon bewegte sich Richtung Ostsee, während die restlichen 22 Ballone nach Osten fuhren. Bei Heiligendamm fuhr der Ballon am Samstagmittag aufs Meer. Nach rund fünf Stunden über der Ostsee erreichten Wicki und Erni die südschwedische Küste.

Die Suwałki-Lücke

Das Feld hatte inzwischen Polen erreicht und steuerte auf die an der engsten Stelle 35 km breite Suwałki-Lücke zu. Das ist der Landstreifen Litauens, zwischen Kaliningrad und Belarus. 11 Ballonen gelang es, diese an- und durchzufahren. Auch den beiden anderen Schweizer Ballonen. Verschiedene Teams landeten am Sonntagvormittag. Auch SUI-3 mit Nicolas Tièche & Laurent Sciboz entschieden sich dafür. Auch sie waren von GPS-Spoofing und -Jamming betroffen – ein grosses Thema des diesjährigen Wettkampfs.

Weiter übers Meer

Balthasar Wicki und René Erni fuhren währenddessen über Estland und «stachen» westlich von Tallinn erneut in See. Die Überfahrt nach Finnland erfolgte teilweise nur wenige Meter über dem Wasser. Beeindruckend. Doch kaum wieder Festland unter dem Korb landeten sie. Sie hatten viel Ballast über der Baltischen See verloren. Der Wille, in eine dritte Nacht zu fahren, war da, die Ressourcen nicht. Dass sie das Rennen schon lange anführten, war ihnen zum Zeitpunkt der Landung noch gar nicht bewusst.

Dann ging es schnell

Einmal mehr hatten sich Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger in eine hervorragende Position gebracht, um einige der vor ihnen platzierten Ballone noch einzuholen. Sie waren bereit, in die dritte Nacht zu fahren. Währenddessen hatten die Ballone von Österreich, Frankreich und Spanien die rote Zone vor Augen und landeten. Auch der noch verbliebene polnische Ballon war kurz nach der Querung der lettischen Grenze gelandet. Frieden-Witprächtigers Ziel war es nun, auf Platz 2 vorzustossen. Viel fehlte dafür nicht. Doch dann ging alles ganz schnell: Was war passiert? In seinem Blog klärt das Team auf: «Immer wieder sank unser HB-BLA bis ganz auf den Boden. Ich dachte zuerst, dass es vielleicht noch zu früh sei, um so tief zu gehen, und stieg wieder etwas, aber immer setzte Sinken ein und die Sinkrate erhöhte sich unüblich schnell. Ich musste laufend Ballast abwerfen, um nicht in die Bäume zu kommen. Nach mehreren Säcken wurde mir klar: Das Parachute muss undicht sein.» Damit wurden Balthasar Wicki und René Erni zu den Siegern des diesjährigen Gordon-Bennett Cups ausgerufen. Es ist ihr erster Titelgewinn.