Das Human Exploration Control Center wird am DLR-Standort Oberpfaffenhofen als Teil des Nationalen Raumfahrtkontrollzentrums (GSOC) aufgebaut. Es basiert auf dem erfolgreichen Betrieb des Columbus-Moduls der Internationalen Raumstation ISS. Die bestehende Infrastruktur am GSOC wird daher erweitert und ein zusätzliches Gebäude errichtet. Es wird bis zu 200 Mitarbeitende, ein Mondkontrollzentrum mit eigenen Reinräumen sowie Multimissionsräume beherbergen, die den parallelen Betrieb verschiedenartiger Missionen ermöglichen. Hochsicherheitsbereiche mit gesonderten Server- und Kontrollräumen gewährleisten, dass die Einrichtung den zukünftig noch anspruchsvolleren Betriebsaufgaben gewachsen ist. Darüber hinaus entwickelt das GSOC-Team neue Betriebs- und Einsatzkonzepte für Mond- und Marsmissionen.

Europäische Unterstützung der Mondstation 

So wird das HECC insbesondere den Betrieb der Gateway Lunar Space Station auf europäischer Seite unterstützen. Dazu erarbeitet das GSOC bereits Betriebsprozeduren für das internationale Wohn- und Arbeitsmodul I-HAB (International Habitation Module), eine zentrale Einheit des Gateways. Das HECC wird die operationelle Verantwortung von insgesamt drei Modulen übernehmen. Dazu gehören neben I-HAB, das Kommunikationssystem zur Mondoberfläche HLCS (HALO Lunar Communication System) sowie das Antriebsmodul ESPRIT (ESPRIT Refueling Module, ERM). Der Gateway soll im Laufe dieses Jahrzehnts errichtet werden und – als der nächste Aussenposten der Menschheit im Weltraum – um den Mond kreisen. Mit der Rückkehr zum Mond zielt das Artemis-Programm auch darauf ab, zukünftige astronautische Marsmissionen vorzubereiten.

Zwischenstation zum Mars

Langfristig wird das HECC somit auch für astronautische Missionen zuständig sein, die über das Erde-Mond-System hinausgehen. Bei Missionen zum Mars etwa beträgt die Signallaufzeit bis zu 40 Minuten zur Erde, sodass ein Betrieb auf herkömmlicher Art in Echtzeit nicht möglich ist. Dazu entwickelt das GSOC am DLR bereits KI-basierte Lösungen wie das Assistenzsystem METIS (Mars Exploration Telemetry-driven Information System), das künftig den autonomen oder teil-autonomen Betrieb eines Raumfahrtzeugs ermöglichen soll.

Astronautische und robotische Exploration

Mit langfristiger Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation ESA soll das HECC als europäisches Kontrollzentrum für astronautische und robotische Exploration aufgebaut werden. Die Förderung durch den Freistaat Bayern und die Investition des DLR sichern nun, dass am DLR-Standort in Oberpfaffenhofen die technologischen und infrastrukturellen Grundlagen dafür geschaffen werden. Der Baubeginn ist für 2028 geplant. Der Betrieb des Human Exploration Control Centers wird voraussichtlich 2030 starten.

Eigenständigkeit sichern

In Kooperationen mit europäischen Partnern wird das Kontrollzentrum wesentlich dazu beitragen, die nationale und europäische Eigenständigkeit in der Raumfahrt zu sichern. Der Freistaat Bayern fördert die Baumassnahmen mit 58 Millionen Euro. Das DLR investiert zusätzlich 20 Millionen Euro aus der institutionellen Grundförderung von Bund und Ländern und ist dafür verantwortlich, die Entwicklungsarbeiten für die Mond- und Mars-Missionen am HECC umzusetzen.