Am vergangenen Wochenende rollten Ingenieure die fast 100 Meter hohe Space Launch System-Rakete langsam und vorsichtig vom Vehicle Assembly Building zum Launch Complex 39B. Die 6,5 km lange Fahrt dauerte etwa 12 Stunden und wurde mit dem Crawler-Transporter der NASA durchgeführt, der seit über 50 Jahren Raketen zu Startrampen transportiert.
In zehn Tagen um den Mond
Das fast 100 Meter hohe Space Launch System wird nach dem Betanken und den Startvorbereitungen etwa 2,6 Millionen Kilogramm wiegen. An seiner Spitze befindet sich das Raumschiff Orion, das die Logos der ESA und der NASA trägt und für den Transport von vier Astronauten auf einer zehntägigen Mondumrundungsmission ausgelegt ist. Artemis II wird der erste bemannte Flug des Artemis-Programms sein und das erste Mal seit über 50 Jahren, dass Menschen sich zum Mond wagen.
Europäisches Servicemodul
Das Gelingen der Artemis II-Mission hängt auch vom Europäischen Servicemodul ab, das von Unternehmen aus mehr als zehn Ländern Europas gebaut wurde. Dieses Kraftpaket übernimmt die Steuerung, sobald sich Orion von der Rakete trennt. Es versorgt die Besatzung mit Strom aus seinen vier sieben Meter langen Solaranlagen, mit Luft und Wasser, und führt während der Mission wichtige Antriebsmanöver durch, darunter die kritische Trans-Mond-Injektion, die das Raumschiff auf seine Flugbahn zum Mond bringt. Europäische Ingenieure werden rund um die Uhr in der Flugkontrolle im Einsatz sein und die Operationen vom ESTEC-Standort der ESA in den Niederlanden aus sowie gemeinsam mit NASA-Teams im Mission Evaluation Room im Johnson Space Center in Houston überwachen.
Auf sechs Space-Shuttle-Missionen im Einsatz
Das Haupttriebwerk des European Service Module hat eine einzigartige Geschichte. Es wurde ursprünglich zwischen 2000 und 2002 auf sechs Space-Shuttle-Missionen eingesetzt. Nach zwei Jahrzehnten im Lager wurde es überholt und getestet und schliesslich bei Airbus in Bremen in das zweite European Service Module eingebaut, wodurch dieses historische Bauteil eine neue Rolle in der Erforschung des Weltraums erhält.
Der nächste wichtige Meilenstein ist die Generalprobe, bei der die Teams das Betanken der Rakete und den Countdown zum Start üben werden, wodurch Artemis II dem Start einen Schritt näher kommt.








