Die TAP Air Portugal wurde seit 2021 unter strengen Auflagen der Europäischen Union staatlich saniert und restrukturiert. Und tatsächlich schrieb die Airline bis auf das erste Halbjahr 26 während mehreren Jahren schwarze Zahlen. Nun soll sie erst Teil-, wenn es nach der Lufthansa-Group geht sogar vollständig privatisiert werden. Ein entsprechender Vertrag zum Erwerb einer Minderheitsbeteiligung der LH-Group von zunächst 44.9 Prozent wurde unterzeichnet. Der Vollzug des Anteilserwerbs der Lufthansa Group steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Behörden, insbesondere der Europäischen Kommission. 

Konsequente Verfolgung einer Strategie

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender Deutsche Lufthansa AG lobt die Unterzeichnung als ein weit in die Zukunft reichendes Signal für beide Fluggesellschaften. «Unsere Netzwerke ergänzen sich ideal und eröffnen uns neben Portugal insbesondere in Südamerika und Brasilien neue Wachstumsperspektiven», so Spohr, der die konsequente Fortsetzung der Europäisierungsstrategie der LH Group betont.

Mitarbeiter sollen Anteile übernehmen

Der vereinbarte Kaufpreis für die Beteiligung von zunächst 44,9 Prozent beträgt 1’025 Milliarden Euro. Die Investition wird aut LH Group vollständig aus verfügbarer Liquidität finanziert. Durch die mögliche Übernahme der zunächst den Mitarbeitenden angebotenen Anteile könnte sich die Beteiligung auf bis zu 49,9 Prozent erhöhen. Unter Berücksichtigung einer sogenannten Ticking Fee (Zins-Aufschlag auf Zeit), ein finanzieller Ausgleich, der bei Verzögerungen zwischen der Unterzeichnung und dem endgültigen Vollzug eines Vertrages fällig wird, kann der Gesamtkaufpreis auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen.

Privatisierung soll Wachstums beschleunigen

Die Lufthansa Group begrüsst ausdrücklich die Perspektive einer vollständigen Privatisierung von TAP Air Portugal. Zwar, so die LH Group, lasse sich bereits mit einer Minderheitsbeteiligung der Grossteil der auf bis zu 450 Millionen Euro geschätzten Synergien realisieren. Eine Mehrheitsbeteiligung biete jedoch, wie die Erfahrungen aus bisherigen Übernahmen zeigten, zusätzliche Möglichkeiten, das Wachstum von TAP zu beschleunigen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und weitere Potenziale im Airline-Verbund auszuschöpfen.

Lateinamerika im Fokus des Interesses

Im Mittelpunkt der Wachstumspläne steht der Ausbau des Streckennetzes von TAP, insbesondere der Verbindungen Portugals mit Brasilien, dem portugiesischsprachigen Afrika und Nordamerika. Für die Lufthansa Group ist dabei vor allem die stärkere Präsenz im Verkehr zwischen Europa und Lateinamerika von strategischer Bedeutung. In diesem Markt liegt ihr Anteil derzeit bei rund neun Prozent. Gemeinsam mit TAP ergibt sich rechnerisch ein Marktanteil von rund 20 Prozent. 

Drehkreuz Lissabon

Damit würde die Lufthansa Group zu ihren wesentlichen Wettbewerbern aufschliessen. Lissabon soll perspektivisch zum siebten Drehkreuz der Lufthansa Group werden. Neben Lissabon sind auch Porto, die Azoren, Madeira und die Algarve feste Bestandteile der Wachstumsstrategie.

Langjähriger Industriepartner

Die Lufthansa Group ist seit mehr als 70 Jahren in Portugal aktiv und langjähriger Industriepartner des Landes. Die Airlines der Gruppe bieten derzeit 353 wöchentliche Flüge zu sechs portugiesischen Destinationen an – ein Zuwachs von 75 Prozent gegenüber 2019. Über 500 Angestellte arbeiten heute in Portugal für Unternehmen der Lufthansa Group. Mit dem neuen Lufthansa Technik Standort in Santa Maria da Feira bei Porto, für den im Juni der Spatenstich vollzogen wurde, soll diese Zahl bis 2030 auf über 1’000 direkte Arbeitsplätze steigen.