Die NASA gab die Besatzung der Artemis-III-Mission bekannt, zu der der NASA-Astronaut und Kommandant Randy Bresnik, der ESA-Pilot Luca Parmitano sowie die NASA-Astronauten Frank Rubio und Andre Douglas als Landefachleute gehören werden. Der NASA-Astronaut Bob Hines wurde zudem als Ersatzmann benannt. Die Besatzung wird nun ein strenges Trainingsprogramm durchlaufen, um sich mit den Systemen des Raumschiffs Orion sowie mit der Bedienung der bemannten Landeausrüstung vertraut zu machen und sich so auf eine Reihe ehrgeiziger Testflüge im Vorfeld der Mondlandemission vorzubereiten.

Erfahrener ESA-Astronaut

Luca Parmitano hat im Rahmen der beiden Langzeitmissionen «Volare» und «Beyond» insgesamt 366 Tage auf der Internationalen Raumstation verbracht. Während dieser Missionen unterstützte er Hunderte von Experimenten, führte sechs Weltraumspaziergänge mit einer Gesamtdauer von mehr als 30 Stunden durch und wurde Kommandant der Station. Seit seiner Rückkehr zur Erde ist er als Verbindungsmann der ESA im Johnson Space Center der NASA in Houston tätig, fungiert als «CapCom» und bildet ESA-Astronauten für Weltraumspaziergänge und Roboteroperationen aus. Im vergangenen Jahr nahm Luca am «Underway Recovery Test 12» der NASA vor der Küste Kaliforniens teil, um die Wasserung und Bergung von Artemis-Astronauten aus einem originalgetreuen Modell des Orion-Raumschiffs zu simulieren.

Testpilot und Oberst der Aeronautica Militare

Bevor er dem europäischen Astronautenkorps beitrat, wurde Parmitano 2007 von der italienischen Luftwaffe als Testpilot ausgewählt. Er absolvierte eine Ausbildung zum Versuchsflieger an der EPNER, der französischen Testpilotenschule in Istres. Im Vorfeld seiner Beyond-Mission im Jahr 2019 wurde er zum Oberst der italienischen Luftwaffe befördert. Er hat mehr als 2000 Flugstunden absolviert, ist für mehr als 20 Typen von Militärflugzeugen und Hubschraubern qualifiziert und hat über 40 Flugzeugtypen geflogen. Seine technischen Fähigkeiten als Testpilot werden während der Artemis-III-Mission erneut auf die Probe gestellt.

Eine Traummission

«Ich fühle mich geehrt, Teil dieser Besatzung zu sein, und bin zugleich demütig: Meine Besatzungskollegen bringen eine Fülle unterschiedlicher Erfahrungen mit, und ich freue mich darauf, mit ihnen zusammenzuarbeiten, bin wissbegierig und möchte in meiner Rolle so viel wie möglich beitragen. Als Testpilot ist dies wirklich eine Traummission, da wir dabei helfen können, Systeme zu testen und Verfahren zu entwickeln, damit zukünftige Besatzungen weiter vordringen und die Menschheit schliesslich zurück zum Mond bringen können», sagt Luca Parmitano. «Ich bin der italienischen Luftwaffe sehr dankbar dafür, dass sie mich in meinen Anfängen ausgebildet hat; der italienischen Weltraumagentur – und Italien insgesamt – dafür, dass sie mir ihren allerersten Langzeitflug anvertraut haben, als ich noch ein Neuling war; der Europäischen Weltraumorganisation für die Ausbildung, die unermüdliche Unterstützung und die grossartigen Möglichkeiten, die ich seit meiner Ernennung zum ESA-Astronauten erhalten habe; und der NASA für ihre Vorreiterrolle bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond. Dies ist der Beweis dafür, dass die ESA ein verlässlicher Partner ist, und die Fortsetzung einer starken Partnerschaft, die einen Europäer zum Mond bringen wird.»

Europa liefert Service-Modul

Daniel Neuenschwander, Direktor für bemannte und robotergestützte Exploration bei der ESA, ist stolz, dass Europa bei der nächsten Artemis-Mission zwei entscheidende Rollen spielt. «Der ESA-Astronaut Luca Parmitano wird vom Pilotensitz aus gemeinsam mit dem NASA-Kommandanten für die komplexen Manöver des Raumfahrzeugs verantwortlich sein, die die Mission erfordert. Auch die europäische Industrie wird dank unseres Europäischen Servicemoduls mit Beiträgen aus 13 ESA-Mitgliedstaaten, an dem 20 Hauptauftragnehmer und über 100 Zulieferer beteiligt sind, mit an Bord sein.»

Bewährt bei Artemis I und II 

Das Europäische Servicemodul der ESA ist das Herzstück des Orion-Raumschiffs der NASA für die Artemis-Missionen zum Mond und versorgt die vier Astronauten an Bord mit Energie, Antrieb, Temperaturregelung sowie Luft und Wasser. Das Modul wurde von der europäischen Industrie unter der Leitung der ESA gebaut; die Struktur des Moduls wird von Thales Alenia Space in Turin, Italien, hergestellt, bevor die Endmontage durch den Hauptauftragnehmer Airbus in Bremen, Deutschland, erfolgt. Die ersten beiden europäischen Service-Module haben die unbemannte Artemis-I-Mission im Jahr 2022 und die bemannte Artemis-II-Mission Anfang dieses Jahres erfolgreich versorgt.

Reise um die Erde

Wie von der NASA angekündigt, ist Artemis III nun als bemannter Testflug in der Erdumlaufbahn geplant, um die Systeme und Abläufe zu demonstrieren, die für zukünftige Mondlandungsmissionen ab Artemis IV erforderlich sind. Nach dem Start an Bord der Space Launch System-Rakete der NASA werden die Triebwerke des europäischen Servicemoduls für wichtige Antriebsmanöver sowie zur Unterstützung von Annäherungsmanövern und Andockdemonstrationen mit den Vorläufern des Mondlandungssystems eingesetzt.

Installation wird vorbereitet

Das dritte europäische Servicemodul wird derzeit im Kennedy Space Center der NASA in Florida, USA, getestet. Das Modul verliess Bremen im August 2024 an Bord des Transportschiffs Canopée. Nach der Ankunft in den Vereinigten Staaten wurde das Modul mit dem Crew Module Adapter verbunden, und die ESA übergab das Servicemodul im September 2025 offiziell an die NASA. Das Modul hat kürzlich die Akustiktests abgeschlossen und wird in Kürze mit dem Orion-Besatzungsmodul verbunden, wodurch das integrierte Raumfahrzeug entsteht. Die vier in Europa gebauten Solaranlagen werden dann installiert, bevor Orion seine Test- und Integrationsphase im Vorfeld des Starts im nächsten Jahr fortsetzt.