Nach der Sonne ist der Mond der auffallendste und nicht zuletzt für die Kulturgeschichte des Menschen auch der wichtigste Himmelskörper. Die Mondphasen mit dem «monatlich» wiederkehrenden Vollmond dienten seit Menschengedenken als Mass für den Gang der Jahreszeiten und bildeten die Grundlage für geplantes landwirtschaftliches Handeln und der Beobachtung von Gesetzmässigkeiten in der Natur. In vielen Kulturen und Sprachen ist der Mond weiblichen Geschlechts, weil mit ihm Eigenschaften wie Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht werden. Unregelmässig auftretende, durch den Umlauf des Mondes um die Erde bedingte Sonnen- und Mondfinsternisse übten eine starke mythologische Wirkung auf unsere Vorfahren aus.

Vermutete Entstehungsgeschichte

Vermutlich entstand der Erdbegleiter, als vor 4,5 Milliarden Jahren ein planetarer Körper etwa von der Grösse des Mars mit der gerade einmal 50 Millionen Jahre alten, aber schon in Kruste, Mantel und Kern differenzierten Erde kollidierte. Dabei schmolzen und verdampften grosse Mengen des Erdmantels und wurden ins All geschleudert. Dieses Material rekondensierte und sammelte sich in einem Ring um den Äquator der Erde. Durch Akkretion (also gravitationsbedingtes Aufsammeln von Materie) der Teilchen in dieser Scheibe aus Staub und Gesteinspartikeln entstand und wuchs der Mond in wenigen Millionen Jahren zu seiner heutigen Grösse.

Von Mensch und Sonde untersucht

Bis heute ist der Mond der einzige terrestrische Körper, der neben einer Vielzahl von Sonden auch von Menschen direkt untersucht wurde. Er ist derzeit der einzige Körper neben der Erde, auf dessen Oberfläche seismische Messungen und Wärmeflussuntersuchungen durchgeführt wurden, die unsere Erkenntnisse über das Innere des Erdtrabanten deutlich erweitert haben. In den Jahren 1969 bis 1972 besuchten zwölf Astronauten im Rahmen der amerikanischen Apollo-Missionen den Mond und brachten zirka 382 Kilogramm Proben unterschiedlicher Gesteine zur Erde zurück. Die Mondproben mit ihrem meist hohen Alter von drei bis über vier Milliarden Jahren und ihrer sehr genau untersuchten chemischen und mineralogischen Zusammensetzung ermöglichen uns einen Rückblick in die Frühzeit des Sonnensystems und auf die Entwicklungsgeschichte des Erde-Mond-Systems. Sie sind für tiefere Einsichten in die Entwicklung des Sonnensystems, vor allem der vier erdähnlichen Planeten und der grossen Asteroiden von Bedeutung. Der Mond könnte bei der Evolution des Lebens auf der Erde eine entscheidende Rolle gespielt haben, da er durch seine Schwerkraft seit mindestens drei oder sogar mehr als vier Milliarden von Jahren für die Stabilisierung der Erdachse sorgt. Ausserdem sorgen die vom Mond ausgehenden Gezeiten dafür, dass die Meere an den Küsten durch die Dynamik der Wasserbewegungen ständig lebenswichtige Minerale aus den Gesteinen herauslösen und im Wasser der Ozeane anreichern konnten.

Wir sehen nur eine Seite

Der Mond umkreist die Erde in Bezug zum Sternenhimmel in 27 Tagen, 7 Stunden und 43,7 Minuten im gleichen Drehsinn, wie sich die Erde um die Sonne bewegt. Fast genauso lang benötigt der Mond für eine Drehung um seine eigene Achse. Dies wird als gebundene Rotation bezeichnet und ist eine Folge der Gezeitenwirkung der Erde auf den Mond. Die gebundene Rotation führt dazu, dass der Mond der Erde immer die gleiche Seite zuwendet, die aus diesem Grund auch die Mondvorderseite genannt wird. Die Mondrückseite bekommen wir auf der Erde nie zu sehen. Sie wurde erstmals 1959 von der sowjetischen Raumsonde Lunik 3 fotografiert. Als Folge von Librationen (kleinen Taumelbewegungen des Mondes auf seiner leicht elliptischen Bahn um die Erde) können jedoch von der Erde aus 59 Prozent der Mondoberfläche beobachtet werden.

Mond-Bio
Der Erdmond ist der kleinste der erdähnlichen, der «terrestrischen» Körper des inneren Sonnensystems (neben dem Mond Merkur, Venus, Erde, Mars). Im Sinne der vergleichenden Planetologie wird der Mond als Bestandteil des Erde-Mond-Systems aufgrund seiner Grösse und Zusammensetzung als erdähnlicher Planet betrachtet. Bei einem Durchmesser von etwa 3’476 Kilometern hat er eine Oberfläche von knapp 38 Millionen Quadratkilometern. Das ist nicht ganz ein Viertel der Fläche aller Kontinente auf der Erde. Aufgrund seiner geringen Grösse besitzt der Mond zu wenig Masse (nur ein Achtzigstel der Erdmasse), um eine Atmosphäre an sich zu binden. Nur einige Atome und Ionen von leichtflüchtigen Elementen umgeben den Erdtrabanten in einer hauchdünnen 'Exosphäre', deren Gesamtmasse auf nur zehn Tonnen geschätzt wird und deshalb einem perfekten Vakuum sehr nahekommt. In dieser Exosphäre finden sich Natrium- und Kaliumatome, die vom Sonnenwind aus dem Regolith, dem Staub auf der Mondoberfläche, geschlagen wurden, sowie Helium (4He) als Bestandteil des Sonnenwindes. Ferner wurden Isotope von Argon (40Ar), Radon (222Ra) und Polonium (210Po) nachgewiesen – letztere entstehen beim radioaktiven Zerfall in der Mondkruste und dem Mondmantel und werden von dort gasförmig an die Exosphäre abgegeben.

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