Nach drei hohen Defiziten in Folge seit 2018 und einem schwierigen Geschäftsjahr 2020 startete das Jahr 2021 mit grossen pandemiebedingten Unsicherheiten. Nach dem Vorsichtsprinzip wurde das ganze Jahr ohne Linien- und Charterverkehr budgetiert. Die Verkehrszahlen im wichtigen Segment Business Aviation lagen aufgrund der Reiserestriktionen in den ersten Monaten deutlich unter dem Budget. Entsprechend schwach fiel das erste Halbjahr 2021 aus. Hingegen verlief die zweite Jahreshälfte weit erfreulicher. Das sich anbahnende hohe Defizit konnte fast vollends vermieden werden. Dazu trugen primär der Reise-Charterverkehr im Sommer und Herbst, weitere Kostensenkungen, die erhaltenen Kurzarbeitsgelder sowie eine Härtefallentschädigung des Kantons bei. Das Defizit liegt im Bereich der schwarzen Null und beträgt CHF 64'128.- (Vorjahr: CHF 1,434 Mio.)
 
2021 konnten Lichtblicke verzeichnet werden. Entgegen der ursprünglichen Planung ohne Linien-/Charterverkehr konnten in diesem Segment 239 Flüge mit über 11'000 Passagieren abgewickelt werden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 23'827 Passagiere abgefertigt.

Mehr Ausbildungsflüge führten zu Verkehrszunahme

Namentlich die hohe Nachfrage nach Pilotenausbildungen auf Motorflugzeugen und Helikoptern hat im Berichtsjahr zu einer starken Verkehrszunahme von über 20% geführt (51’792 Flugbewegungen, Vorjahr 42’862).

Infrastrukturprojekte

Mit der erfolgten Dachsanierung des Hangars 7 und dem laufenden Neubau des Hangars 5, welcher durch den Flughafenpartner Lions Air realisiert wird, konnten erstmals seit zehn Jahren wieder grosse Infrastrukturprojekte vorangetrieben werden.

Personalbestand reduziert

Erneut konnten Kostensenkungen realisiert werden. So reduzierte sich der Netto-Personalbestand (nach Abzug Kurzarbeit) nochmals um einige Stellen auf insgesamt 38.3 Vollzeitstellenäquivalent. Dank dem hohen Engagement und der Flexibilität der Mitarbeitenden konnten die geforderten Leistungen jederzeit zu hundert Prozent erbracht werden. Sämtliche Audits und Prüfungen wurden bestanden. Das gesamte Flughafenteam wird gestärkt und mit erlangter Agilität aus dieser Krise hervorgehen.

Neuer Verwaltungsratspräsident

Alexandre Schmidt hat am 5. Mai 2021 das Präsidium von Beat Brechbühl übernommen. In seinem ersten Geschäftsjahr legte Alexandre Schmidt Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung in der Bewältigung der Krise, die Finanzierung des Flugbetriebs aus eigenen Mitteln, der Schaffung von Transparenz über den Sanierungsbedarf, einen offenen Dialog mit den Mitarbeitenden und den wichtigsten Stakeholdern.

Änderungen im Verwaltungsrat

Paul Thoma, bisheriger Kommandant des Lufttransportdienst des Bundes, tritt aufgrund einer neuen beruflichen Funktion aus dem Verwaltungsrat zurück. Es ist unerlässlich, dass die Anliegen der Eidgenossenschaft als wichtiger Partner und Benutzer des Flughafens Bern nicht nur auf operativer, sondern auch auf Ebene des Verwaltungsrates eingebracht werden können. Paul Thoma hat diese Balance stets bestens gefunden und damit einen zentralen Beitrag für die sehr gute Zusammenarbeit mit der Eidgenossenschaft geleistet, wofür sich der Verwaltungsrat herzlich bedankt.

Fachkundiger Nachfolger

Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung die Wahl von Marcel Zuckschwerdt. Als ehemaliger stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt verfügt er über profunde Fachkenntnisse und ein hervorragendes Netzwerk in der Verwaltung und der Luftfahrtindustrie. Der Verwaltungsrat freut sich sehr auf seine zukünftige Unterstützung in dieser für den Flughafen anspruchsvollen Zeit. 

Nachhaltigkeit

Trotz den schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen geht es auch der Flughafen Bern AG darum, eine nachhaltige Luftfahrt zu fördern und die unternehmerische, ökologische und soziale Verantwortung wahrzunehmen. Der Fokus liegt auf der Verringerung der CO2-Emissionen. Dabei ist eine wichtige Massnahme die Reduktion der CO2-Emissionen durch eine moderne Energieversorgung. 2022 wird die erste Photovoltaikanlage auf dem Dach des Terminals realisiert. Das Ziel lautet, mittelfristig den gesamten Strombedarf aus eigener Produktion zu decken.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Auch wenn eine gewisse Unsicherheit bleibt, geht die Flughafen Bern AG davon aus, dass sich die Erholung im laufenden Jahr fortsetzen wird. Die Krise hat gezeigt, dass in einer globalen Gemeinschaft Ereignisse einen direkten Einfluss auf den Geschäftsgang eines Regionalflughafens haben können. Immerhin hat es der Flughafen geschafft, dass der Betrieb zum ersten Mal seit 2019 wieder aus eigenen Mitteln finanziert werden kann. Die nachhaltige Finanzierung der Infrastrukturerneuerung aus dem operativen Cashflow sowie ein flexibler, dem saisonalen Geschäftsmodell folgenden Personalbestand, stellen die grössten Herausforderungen der Zukunft dar. Der Sanierungsstau ist bedeutsam und erweist sich grösser als angenommen. Seine Finanzierung erfordert einen jährlichen Überschuss von über einer Mio. Franken. Somit ist das Überleben vorerst bis auf Weiteres gesichert, erfordert jedoch für das langfristige Bestehen markante Entwicklungen.  

Fliegen ab Bern, entspricht einem Bedürfnis

Als konzessionierte Flughafenbetreiberin leistet die Flughafen Bern AG einen wichtigen Beitrag für die Hauptstadtregion und den Kanton Bern. Auch wenn sich vom Flughafen Bern aus keine Anbindung an internationale Drehkreuze mit Linienflügen durchsetzen konnte, zeigt die hohe Nachfrage nach Ferienflügen, dass Fliegen ab Bern auch weiterhin einem echten Bedürfnis der Bevölkerung entspricht. So war im Berichtsjahr die Reiselust deutlich zu spüren und das Fliegen ab dem Regionalflughafen Bern in Zeiten von Corona erfreute sich grosser Beliebtheit bei sehr hoher Auslastung von nahezu 90%. Dies stimmt die Flughafen Bern AG zuversichtlich, dass auch nach der Krise ein Bedürfnis für Ferienreisen ab Bern bestehen wird.