61 Prozent der Bevölkerung bewerten Flugreisen positiv. 55 Prozent sind stolz auf die Schweizer Luftfahrt, und 67 Prozent sehen die Luftfahrt eher als Chance denn als Belastung für die Schweiz. Vier von fünf Befragten halten die Luftfahrt zudem für wichtig für die Schweizer Wirtschaft. Die Studie zeigt, wie gut verankert der Nutzen der Luftfahrt bei der Schweizer Bevölkerung ist. Dies entgegen dem Eindruck, der aus dem öffentlichen Diskurs gewonnen werden kann.
Für Regine Sauter, Präsidentin von Aviationsuisse und Nationalrätin FDP, ist denn auch klar: «Die Studie zeigt: Die Schweizer Bevölkerung weiss, wie wichtig eine gute internationale Anbindung für unser Land ist. Die Luftfahrt hat Rückhalt – als Voraussetzung für Wohlstand, Vernetzung und Mobilität.» Und sie betont: «Gerade für eine exportorientierte und international verflochtene Volkswirtschaft wie die Schweiz ist das von zentraler Bedeutung.»
Klare Absage an weitere Verschärfungen bei den Betriebszeiten
Besonders relevant ist der Befund zu den Betriebszeiten der Flughäfen. Knapp 80 Prozent sind gegen eine Verkürzung der Betriebszeiten. 57 Prozent der Bevölkerung halten die heutigen – im internationalen Vergleich bereits sehr strengen – Nachtruhe-Regelungen für genau richtig, 22 Prozent wollen sie abschwächen. Eine Ausweitung der Nachtflugsperre mit einem deutlich reduzierten Flugangebot findet keine Mehrheit. Die Bevölkerung spricht sich damit dezidiert gegen kürzere Betriebszeiten und für Stabilität und Verlässlichkeit aus.
Von besonders grosser Bedeutung ist das für den Flughafen Zürich: 79 Prozent der Bevölkerung messen dem interkontinentalen Drehkreuz in Zürich grosse wirtschaftliche Bedeutung bei, während fast zwei Drittel die Rolle des internationalen Flughafens Genf für die Stellung des Landes auf der internationalen Bühne als sehr wichtig erachten. Auch Basel wird als wichtiger Standort wahrgenommen. Die Studie bestätigt damit, dass leistungsfähige Landesflughäfen für die internationale Anbindung der Schweiz zentral sind.
Aviationsuisse: ein deutliches Signal
Für Aviationsuisse ist das ein deutliches Signal mit Blick auf die laufenden luftfahrtpolitischen Debatten in Bundesbern: Die heutigen Betriebszeiten der Landesflughäfen sollen gesichert und nicht weiter eingeschränkt werden. Das gelte insbesondere auch vor dem Hintergrund der Revision des Luftfahrtgesetzes. Aviationsuisse setzt sich dezidiert dafür ein, dass der heutige Bestand der Landesflughäfen planerisch und gesetzlich abgesichert wird. Die Studie zeige zudem, dass die Bevölkerung eine leistungsfähige Luftfahrtinfrastruktur will. 52 Prozent sprechen sich dafür aus, die Infrastruktur an den Flughäfen auszubauen, wenn die Nachfrage nach Flugreisen und Güterverkehr weiterwächst. Ein moderates Wachstum darf aus Sicht der Bevölkerung also eher über die Infrastruktur erfolgen.
Klimaschutz ja – aber ...
Auch beim Klima ist die Botschaft der Studie deutlich. 72 Prozent sehen die Hauptverantwortung für den Klimaschutz in der Luftfahrt primär auf internationaler Ebene. 69 Prozent bevorzugen internationale Regeln statt nationale Alleingänge, um Wettbewerbsnachteile für die Schweiz zu vermeiden. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Bevölkerung beim Klimaschutz auf technologische Lösungen setzt: 77 Prozent halten effizientere Flugzeuge für zielführend, 71 Prozent nachhaltige Treibstoffe. CO₂-Abgaben für Flugreisen (Ticketabgaben) werden dagegen von 71 Prozent als wenig oder gar nicht wirksam eingeschätzt.
Die Bevölkerung sieht also CO₂-Abgaben auf Flugtickets als unwirksam und symbolisch an, ist aber bereit, für Investitionen in klimafreundliche Treibstoffe oder Innovationen innerhalb der Luftfahrt einen moderaten Betrag zu bezahlen, sofern dies einem wirksamen Klimaschutz dient, wie Aviationsuisse in der Mitteilung schreibt. Das Geld soll aus Sicht der Bevölkerung primär der ökologischen Transformation der Luftfahrt zugutekommen. Eine Zweckentfremdung solcher Mittel und eine Flugticketabgabe mit Rückverteilung oder Umverteilung in den ÖV finden keine überzeugende Grundlage. Die sogenannte Mobilitätsbon-Initiative der Umweltorganisation umverkehR, die voll auf Umverteilung und Zweckentfremdung der Mittel setzt, ziele damit offenkundig an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei.
Konkrete Forderungen von Aviationsuisse
Aus der Studie von Sotomo leitet Aviationsuisse folgende konkrete Forderungen ab:
- Die heutigen Betriebszeiten der Landesflughäfen sind gesetzlich und planerisch zu sichern. Die Bevölkerung will keine weitere Verschärfung. Das gilt insbesondere mit Blick auf die Revision des Luftfahrtgesetzes und die Absicherung des heutigen Bestands.
- Die internationale Anbindung der Schweiz muss als nationales Interesse behandelt werden. Luftfahrtpolitik ist Standortpolitik. Wer Wohlstand, Exportkraft, Tourismus, Forschung und internationale Vernetzung sichern will, muss leistungsfähige Flughäfen sichern.
- Kapazitätsentwicklung an den Landesflughäfen ist zu ermöglichen. Die Bevölkerung zeigt Offenheit für Infrastrukturausbau. Entwicklungsfähige Flughäfen sind kein Luxus, sondern Voraussetzung für Konnektivität und Wettbewerbsfähigkeit.
- Klimapolitik in der Luftfahrt muss international abgestimmt und technologisch wirksam sein. Zusätzliche nationale Belastungen schwächen die Wettbewerbsfähigkeit, ohne das Klima wirksam zu schützen. Entscheidend sind internationale Regeln, Sustainable Aviation Fuels,
- Innovation und Flottenerneuerung.
- Keine Flugticketabgabe in der Luftfahrt: Zusätzliche Abgaben sind nicht wirksam und gemäss BAZL aufgrund von möglichem Ausweichverkehr mit einer Zunahme von CO₂-Emissionen verbunden.
Drei Flughafenregionen vertieft untersucht: Zürich, Basel und Genf
Neben der schweizweiten Befragung hat Sotomo auch die drei Flughafenregionen Zürich, Basel und Genf vertieft untersucht. Dafür wurden Anwohnerinnen und Anwohner in einem Perimeter von rund fünf Kilometern um die jeweiligen Landesflughäfen sowie zusätzlich vom Fluglärm betroffene Personen befragt. Die Resultate zeigen auch in diesen Spotlight-Regionen ein differenziertes, aber insgesamt klares Bild: Die Wohn- und Standortqualität rund um die Flughäfen wird mehrheitlich positiv bewertet, die geltenden Nachtflugregelungen finden Rückhalt, und eine weitere Einengung der Rahmenbedingungen findet auch lokal keine Legitimation.
Flughafen Zürich
Der Flughafen Zürich ist das einzige interkontinentale Drehkreuz der Schweiz und damit eine Schlüsselinfrastruktur von nationaler Bedeutung. 79 Prozent der Bevölkerung messen diesem Hub eine grosse wirtschaftliche Bedeutung bei. Die Studie zeigt aber nicht nur den nationalen Rückhalt, sondern auch eine bemerkenswerte Akzeptanz in der Region: Die aktuelle Nachtruhe-Regelung wird mehrheitlich als richtig beurteilt, die Standortqualitäten rund um den Flughafen werden hoch eingeschätzt, und nur eine kleine Minderheit der unmittelbaren Anwohnerinnen und Anwohner empfindet die Lärmbelastung als sehr hoch. Daraus ergibt sich ein klarer politischer Auftrag: Das Drehkreuz Zürich ist zu sichern, die heutigen Betriebszeiten sind zu schützen, und Entwicklungsschritte dürfen nicht aus ideologischen Gründen blockiert werden.
Martin Naville, Präsident des Komitees Weltoffenes Zürich, sagt: «Der Flughafen Zürich ist ein nationales Drehkreuz und ein entscheidender Standortfaktor für eine weltoffene, international vernetzte Schweiz.» Und Naville fährt fort: «Wer seine Entwicklung mutwillig blockiert, schwächt nicht Zürich, sondern das ganze Land – und dies, obwohl die Akzeptanz des Status Quo enorm hoch ist. Die schweigende Mehrheit ist zufrieden. Folglich darf sich die Politik nicht von einer lauten Minderheit vor sich hertreiben lassen.»
EuroAirport
Die Region Basel weist besonders hohe Zufriedenheitswerte bei Verkehrsanbindung, Dienstleistungsangebot und Arbeitsplatzmöglichkeiten auf. Gerade für die international ausgerichtete Wirtschaftsregion im Dreiländereck ist der EuroAirport ein zentraler Standortfaktor. Für Aviationsuisse ist klar: Die Nordwestschweiz braucht auch künftig eine leistungsfähige Luftverkehrsanbindung. Der EuroAirport darf politisch nicht kleingeredet werden, und auch hier gilt: keine weitere Einengung der Rahmenbedingungen.
Michael Hug, Leiter Verkehr, Raumplanung, Energie und Umwelt der Handelskammer beider Basel, sagt: «Für die exportorientierte Wirtschaftsregion Basel ist der EuroAirport ein zentraler Teil der internationalen Erreichbarkeit. Gerade im internationalen Wettbewerb können wir es uns nicht leisten, funktionierende Infrastrukturen leichtfertig zu schwächen.»
Flughafen Genf
Der internationale Flughafen Genf ist ein wesentlicher Motor für die wirtschaftliche Dynamik der Westschweiz und eine tragende Säule ihrer internationalen Anbindung. Fast zwei Drittel der Bevölkerung erkennen seine wirtschaftliche Bedeutung an, insbesondere für die Erreichbarkeit des internationalen Genf, der Diplomatie, der Unternehmen und der Kongresse. Über den Passagierverkehr hinaus spielt auch die Luftfracht eine strategische Rolle für eine stark exportorientierte Region, insbesondere für Güter mit hoher Wertschöpfung. Zuverlässige Betriebsbedingungen und leistungsfähige Infrastrukturen sind daher unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit, die Attraktivität und die internationale Ausstrahlung von Genf und der Westschweiz zu erhalten.
Fred Herren, Präsident von AERIA+, dem Wirtschaftsverband der Romandie für eine leistungsfähige Flughafeninfrastruktur, betont: «Die Westschweiz ist eine Region, die entschieden nach aussen gerichtet ist, und die Luftfracht über den internationalen Flughafen Genf spielt – über ihre Bedeutung für die Geschäftsreisen der Region hinaus – eine grundlegende Rolle für Unternehmen, die weltweit exportieren. Der Flughafen Genf sichert direkt Tausende von Arbeitsplätzen und generiert konkrete wirtschaftliche Auswirkungen weit über den Flughafen selbst hinaus, die sich auf das gesamte regionale Wirtschaftsgefüge auswirken. Zuverlässige und leistungsfähige Betriebsbedingungen zu gewährleisten bedeutet, die Wettbewerbsfähigkeit, die Attraktivität und die internationale Ausstrahlung von Genf und der gesamten Schweiz zu erhalten.»
Über die Studie
Für die von Sotomo durchgeführte Online-Befragung wurden zwischen dem 22. Januar und dem 5. Februar 2026 insgesamt 3734 Personen befragt. Darunter befanden sich 1210 Anwohnerinnen und Anwohner der Flughafenregionen Zürich, Basel und Genf. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die sprachintegrierte Wohnbevölkerung der Deutschschweiz und der französischsprachigen Schweiz ab 18 Jahren.
Über Aviationsuisse
Aviationsuisse versteht sich als Stimme der Nutzer des Luftverkehrs in der Schweiz (international ausgerichtete Unternehmen und Dienstleister, Exportindustrie und Logistikunternehmen, Tourismus, Hotellerie, Forschung, Kultur). Aviationsuisse stellt die Bedürfnisse der Nachfrager nach aviatischer Mobilität ins Zentrum. Der Verband fordert politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, die eine zeitgemässe, international konkurrenzfähige Erreichbarkeit der Schweiz und ihrer bedeutenden Wirtschaftsräume mit Luftverkehr garantieren und die eine bedürfnisgerechte, konkurrenzfähige Erschliessung der globalen Märkte aus der Schweiz heraus erlauben.






