Offset-Geschäfte, auch Kompensationsgeschäfte genannt, sind Aufträge, Projekte oder Kooperationen, die ein ausländischer Lieferant im Rahmen einer Beschaffung mit Unternehmen, Hochschulen oder Forschungspartnern in der Schweiz umsetzt. Im Offset-Register sind im Zusammenhang mit der Beschaffung des neuen Kampfflugzeugs F-35A per 30. Juni 2026 bereits Geschäfte im Wert von 1,03 Milliarden US-Dollar aufgeführt, die Lockheed Martin angerechnet wurden. Dies entspricht laut Mitteilung der Armasuisse rund einem Drittel der gesamten Offset-Verpflichtung. Nun kommt ein Paket weiterer Vorhaben hinzu, mit dem die Umsetzung der Offset-Verpflichtung planbarer, wirkungsvoller und stärker auf sicherheitsrelevante Fähigkeiten in der Schweiz ausgerichtet wird.
Direkter Nutzen für Einsatzbereitschaft und Souveränität
Zu den neuen Vorhaben gehören beispielsweise ein F135-Trainingssystem für das Triebwerk mit Know-how-Transfer nach dem Prinzip «Train the Trainer», der Aufbau von Fähigkeiten für Produktion und Reparatur von F-35-Canopy-Komponenten sowie Cyber-Training zum Schutz F-35-bezogener IT-Netzwerke. Solche Projekte schaffen luat Armasuisse nicht nur industrielle Aufträge. Sie tragen dazu bei, dass die Schweiz kritische Fähigkeiten, technisches Wissen und einsatzrelevante Kompetenzen im eigenen Land aufbauen und langfristig erhalten kann.
Weitere Vorhaben betreffen die Entwicklung und Qualifikation von Trainingsmunition, fortgeschrittene Fertigung und Zertifizierung sicherheitskritischer Komponenten, den Ausbau von Kompetenzen in Mikro- und Nanotechnologien, ein in der Schweiz verfügbares Quantum-System-2-Ökosystem sowie Projekte im Bereich nachhaltiger synthetischer Flugtreibstoffe. Damit werden Zukunftsfelder gestärkt, die für Verteidigung, Versorgungssicherheit, Cyberresilienz, geschützte Kommunikation, Sensorik und robuste Lieferketten von wachsender Bedeutung sind.
Schweizer Industrie und Schlüsseltechnologien stärken
Mit dem Nachtrag kann Armasuisse die Beteiligung der Schweizer Industrie gezielter auf sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologien, industrielle Fähigkeiten und eine breitere regionale Verankerung ausrichten. Die vereinbarten Vorhaben betreffen unter anderem industrielle Leistungen, Lieferkettenbeiträge, Forschung und Entwicklung sowie technologischen Fähigkeitsaufbau. Im Zentrum steht der konkrete Nutzen für die sicherheitsrelevante Technologie- und Industriebasis der Schweiz.
Gerade in einem sicherheitspolitisch anspruchsvollen Umfeld sind solche Fähigkeiten entscheidend, schreibt Armasuisse in der Mitteilung: Wer kritische Komponenten warten, prüfen, zertifizieren, digital absichern oder technologisch weiterentwickeln kann, erhöht die eigene Handlungsfreiheit. Offset wird damit nicht als formale Kompensation verstanden, sondern als Instrument, um industrielle Substanz, Know-how und Innovationskraft in Bereichen zu stärken, die für die Sicherheit der Schweiz relevant sind.
Regionale Zielwerte deutlich übertroffen
Mit den nun vereinbarten Vorhaben gelingt ein wichtiger Schritt zu einer breiteren regionalen Verankerung, teilt Armasuisse mit. Bei erfolgreicher Umsetzung würden die regionalen Zielwerte deutlich übertroffen: In der Romandie steigt der Anteil voraussichtlich auf rund 43 Prozent statt der vorgesehenen 30 Prozent – eine Übererfüllung von rund 40 Prozent. In der italienischsprachigen Schweiz steigt der Anteil auf rund 12 Prozent statt 5 Prozent – das entspricht einer Übererfüllung von rund 140 Prozent. Damit werden insbesondere die lateinischsprachigen Landesteile stärker eingebunden.
Die gesamte Offset-Verpflichtung von Lockheed Martin beträgt rund 3 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht 60 Prozent des Vertragswerts. Gemäss Bundesbeschluss sollen 20 Prozent direkt mit der F-35A-Beschaffung zusammenhängen. Weitere 40 Prozent können indirekt erfolgen, das heisst in sicherheits- und rüstungsrelevanten Bereichen der Schweizer Industrie. Zudem ist vorgesehen, dass 65 Prozent der Offset-Geschäfte in der Deutschschweiz, 30 Prozent in der Romandie und 5 Prozent in der italienischsprachigen Schweiz anfallen.





