Andreas Rheindt wollte schon früh Hubschrauber fliegen. Von seinem Konfirmationsgeld kaufte er sich ein Modell einer Robinson R22, nach dem Abitur zog es ihn endgültig in Richtung Luftfahrt. Nur: Der direkte Weg ins Cockpit wollte sich partout nicht einstellen. Die Polizei lehnte ihn wegen seiner Brille ab, andere berufliche Pläne zerschlugen sich – und schliesslich brach Rheindt mit Anfang 20 nach Neuseeland auf, um dort seine Pilotenausbildung zu absolvieren.

Mit 3000 Kilometern Anlauf ins australische Outback

Was danach folgt, klingt streckenweise eher nach Abenteuerroman als nach geradliniger Pilotenkarriere. Nach seiner Ausbildung in Neuseeland hoffte Rheindt auf einen Job in Australien. Jung, ungeduldig und fest entschlossen zu fliegen, verkaufte er sein Auto in Neuseeland, setzte nach Australien über und fuhr rund 3000 Kilometer quer durchs Land, um im Outback beim sogenannten Cattle Mustering anzuheuern.

Am Ziel angekommen, präsentierte sich der junge Deutsche dem Chief Pilot im Anzug – und erntete zunächst schallendes Gelächter. Aus dem erhofften Cockpitjob wurde nichts. Stattdessen stand Rheindt praktisch ohne Geld in Katherine, einer Kleinstadt südlich von Darwin.

Aufgeben kam dennoch nicht infrage. Rheindt marschierte in die Stadt, fragte in einem Bottleshop kurzerhand nach Arbeit – und wurde von dort an den benachbarten «Coffee Club» vermittelt. Keine zwölf Stunden später bediente der angehende Hubschrauberpilot Gäste.

Rheindt arbeitete fortan 50 bis 70 Stunden pro Woche, wurde vom Barista zeitweise zum Café-Manager und sparte jeden Dollar, den er entbehren konnte. Nebenbei blieb er der Fliegerei verbunden, knüpfte Kontakte und sammelte einzelne Flugstunden.

Zurück in Deutschland – und erst einmal auf den LKW

Auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland führte der Weg nicht direkt ins Cockpit. Rheindt musste seine neuseeländische Lizenz auf europäische Standards umschreiben, arbeitete für Hubschrauberunternehmen in unterschiedlichsten Funktionen und kümmerte sich unter anderem um Ersatzteile, Administration und Flugschulaufgaben.

Als der erhoffte Pilotenjob erneut ausblieb, zog er die Konsequenz – und fuhr LKW.

Aufgegeben hatte er seinen Traum damit keineswegs. Rheindt blieb in der Branche präsent, organisierte Rundflüge, sammelte Flugstunden und Type Ratings, schrieb immer wieder Bewerbungen und baute sein Netzwerk aus. Gerade aus dieser Phase zieht Rheindt heute wichtige Erkenntnisse, die er als Botschaft an junge Pilotinnen und Piloten weitergibt. Lizenzen und Flugstunden allein reichen nicht. Wer in der Hubschrauberbranche Fuss fassen will, muss Kontakte knüpfen, Eigeninitiative zeigen und bereit sein, auch Aufgaben zu übernehmen, die auf den ersten Blick wenig mit dem Traum vom Cockpit zu tun haben.vom Cockpit zu tun haben.

Vom Umweg zum Traumberuf

2017 kam Rheindt zu Heli-Flight JLR. Auch dort begann er nicht oben, sondern arbeitete sich Schritt für Schritt weiter, entwickelte gemeinsam mit dem Team die Flugschule und deren Ausbildung weiter und übernahm immer mehr Verantwortung.

Heute leitet er die Ausbildung bei Heli-Flight und verbindet genau jene Bereiche, die ihn an der Hubschrauberei faszinieren: Ausbildung, Nachwuchsförderung und Luftrettung. 

Dass zwischen seiner ersten Flugstunde in Neuseeland und einer festen beruflichen Perspektive viele Jahre lagen, verschweigt Rheindt nicht. Im Gegenteil: «Ungeduld kostet Geld», sagt er im Gespräch mit Frank Liemandt. Wer unbedingt möglichst schnell ins Cockpit wolle, könne das schaffen – müsse dafür aber häufig teuer bezahlen. Rheindt empfiehlt deshalb einen überlegten, modularen Weg, ein solides berufliches Backup und vor allem Ausdauer.

Über den Initianten Frank Liemandt

Seit fast 30 Jahren ist Dr. Frank Liemandt in der Luftfahrtbranche tätig – als Geisteswissenschaftler ein Quereinsteiger mit aussergewöhnlicher Laufbahn. Vom Pressesprecher in der Sparte Helikopter über B2B-Sales-Manager für Flugzeugkomponenten und Verkaufsdirektor für Kampfjets bis hin zum Geschäftsführer des Deutschen Hubschrauber Verbands sowie Messeleiter der EUROPEAN ROTORS hat er die Branche aus unterschiedlichsten Perspektiven kennengelernt. Seit 2014 führt er seine eigene Consultingfirma – und setzt sich neuerdings für «Fly me to the top» mit seinen Gästen ins virtuelle Cockpit.

Seit dem Start von «Fly me to the top» Mitte Februar erscheint jeden Donnerstag eine neue Folge mit wechselnden Gästen aus der Luft- und Raumfahrt sowie angrenzenden Bereichen.

COCKPIT ist Medienpartnerin

COCKPIT unterstützt «Fly me to the top» als Medienpartnerin, weil das Format einen Perspektivenwechsel wagt und damit perfekt zur Marke passt: weg von Schlagzeilen, hin zur Substanz.

Damit erweitert sich der redaktionelle Blick – vom geschriebenen Wort zum gesprochenen Dialog.

Die Gespräche sind auf SpotifyYouTube, Amazon Music und Apple Podcasts abrufbar und werden auch über cockpit.aero sowie über die Social-Media-Kanäle von COCKPIT geteilt.

Einsteigen, anschnallen, Kopfhörer auf – und mit Frank Liemandt und Andreas Rheindt zu einer Karriere-Reise voller überraschender Wendungen starten.  Diese Folge sollte man sich nicht entgehen lassen!