30 Kilogramm Technik, eine Kamera mit grosser Brennweite und ein möglichst guter Standort an der Start- oder Landebahn: Wenn Thomas Job zu einem Flughafen aufbricht, ist er nicht einfach auf der Jagd nach einem gelungenen Flugzeugbild. Er produziert ein eigenes Liveprogramm – mit Kommentaren, Hintergrundinformationen, Gesprächen, Quizfragen und einem Chat, in dem sich eine erstaunlich aktive Community austauscht.
Sieben Stunden warten – und das Publikum bleibt
Seine Übertragungen dauern häufig fünf oder sechs Stunden. Bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden wartete Job mit seinen Zuschauerinnen und Zuschauern sogar sieben Stunden auf einen Airbus A380. In dieser Zeit gab es kaum Flugbewegungen. Trotzdem blieb die Sendung lebendig: mit Airline-News, eingespielten Podcast-Beiträgen, Gästen und dem Fachwissen der Community.
Job versteht seine Livestreams als eine Art alternatives Fernsehen für Luftfahrtinteressierte. Sein Publikum besteht längst nicht nur aus klassischen Spottern. Manche können gerade noch einen Airbus A380 von einer Boeing 747 unterscheiden – möchten aber dennoch Flughafengefühl, Flugzeugsound und die besondere Atmosphäre eines lauen Sommerabends am Vorfeld erleben.
Bei reichweitenstarken Übertragungen aus Frankfurt verfolgen zeitweise mehr als 1000 Menschen gleichzeitig das Geschehen. Zusammen mit den Ausspielungen auf Twitch können daraus rund 20’000 bis 25’000 Aufrufe entstehen.
Vom Reisebüro ins digitale Cockpit
Die Faszination für Flugzeuge begann bei Thomas Job bereits in der Kindheit. Während der Familienferien war für ihn nicht das Reiseziel der spannendste Teil, sondern der Flug – etwa mit einer Lockheed L-1011 TriStar der LTU nach Mallorca.
Mitte der 1990er-Jahre absolvierte er eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann. Parallel begann er früh, sich mit digitalen Geschäftsmodellen zu beschäftigen. Bereits 1998 baute er einen von Hand gepflegten Webkatalog für Reiseinformationen auf – zu einer Zeit, als Google noch keine selbstverständliche Anlaufstelle war. Später entwickelte sich fluggesellschaft.de zu einem Vergleichs- und Informationsportal.
Das Videospotting entdeckte Job zunächst als Zuschauer, danach als Mitwirkender bei einem anderen Luftfahrtkanal. Kameraführung, Streamingtechnik und Moderation eignete er sich selbst an. Im Dezember 2023 traf er schliesslich die Entscheidung, sich fast vollständig auf seinen YouTube- und Twitch-Kanal zu konzentrieren.
Leidenschaft mit unternehmerischem Risiko
Mehr als 31’000 Abonnenten und weit über 1200 veröffentlichte Videos sind eine bemerkenswerte Bilanz. Thomas Job betrachtet diese Zahlen dennoch nüchtern. Die deutschsprachige Spotting-Szene ist eine kleine Nische, die Einnahmen sind schwer planbar, technische Investitionen hoch – und das gesamte Unternehmen hängt weitgehend an einer einzigen Person.
Gerade diese Offenheit macht das Gespräch besonders hörenswert. Job romantisiert seine Selbständigkeit nicht. Er spricht über Abhängigkeiten von Algorithmen, die Erwartungen des Publikums, steigende Qualitätsansprüche und die Frage, was passiert, wenn er krank wird oder längere Zeit nicht produzieren kann.
Seine Begeisterung hat er sich dennoch erhalten. Besonders freut ihn, dass an den Flughäfen immer mehr Kinder, Jugendliche und Frauen mit Kamera oder Smartphone anzutreffen sind. Für Job geht es beim Spotting nicht um Sensationen oder Zwischenfälle, sondern um Technik, Sound und Physik – und darum, die Faszination des Fliegens sichtbar und hörbar zu machen.
Entstanden ist ein überraschendes Gespräch über digitale Medien, Unternehmertum, Ausdauer und eine Community, die sogar sieben Stunden auf einen A380 wartet.
Über den Initianten Frank Liemandt
Seit fast 30 Jahren ist Dr. Frank Liemandt in der Luftfahrtbranche tätig – als Geisteswissenschaftler ein Quereinsteiger mit aussergewöhnlicher Laufbahn. Vom Pressesprecher in der Sparte Helikopter über B2B-Sales-Manager für Flugzeugkomponenten und Verkaufsdirektor für Kampfjets bis hin zum Geschäftsführer des Deutschen Hubschrauber Verbands sowie Messeleiter der EUROPEAN ROTORS hat er die Branche aus unterschiedlichsten Perspektiven kennengelernt. Seit 2014 führt er seine eigene Consultingfirma – und setzt sich neuerdings für «Fly me to the top» mit seinen Gästen ins virtuelle Cockpit.
Seit dem Start von «Fly me to the top» Mitte Februar erscheint jeden Donnerstag eine neue Folge mit wechselnden Gästen aus der Luft- und Raumfahrt sowie angrenzenden Bereichen.
COCKPIT ist Medienpartnerin
COCKPIT unterstützt «Fly me to the top» als Medienpartnerin, weil das Format einen Perspektivenwechsel wagt und damit perfekt zur Marke passt: weg von Schlagzeilen, hin zur Substanz.
Damit erweitert sich der redaktionelle Blick – vom geschriebenen Wort zum gesprochenen Dialog.
Die Gespräche sind auf Spotify und YouTube abrufbar und werden auch über cockpit.aero sowie über die Social-Media-Kanäle von COCKPIT geteilt.
Anschnallen, Kopfhörer auf – und gemeinsam mit Thomas Job am Flughafenzaun auf den nächsten besonderen Flieger warten.



