Die Unterlagen für eine Pilotenausbildung bei Lufthansa lagen bereits vor ihm. Doch Stefan Hinners entschied sich anders: Ein Leben zwischen internationalen Destinationen und Hotelzimmern entsprach nicht seinen Vorstellungen. Freunde, persönliche Kontakte und ein Zuhause waren ihm wichtiger. Stattdessen studierte er in Hamburg Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft – und erfüllte sich den Traum vom Fliegen auf eigene Faust.
Nach den schriftlichen Prüfungen des ersten juristischen Staatsexamens nutzte er die Wartezeit für die Privatpilotenausbildung. Es folgten die Berufspilotenlizenz, die Instrumentenflugberechtigung und die Ausbildung zum Fluglehrer. Parallel zur juristischen Laufbahn gründete er ein Luftfahrtunternehmen, bot Rundflüge über Hamburg an und erweiterte den Betrieb später um eine Flugschule. Auch als freiberuflicher Jetpilot war er unterwegs. Für den virtuellen Flug mit Frank Liemandt wählt er seine Cessna T303 Crusader, mit der er heute unter anderem zu Gerichtsterminen reist.
Sicherheit beginnt mit Selbstkritik
Was Hinners im Cockpit erlebt, fliesst in seine Arbeit als Anwalt und Sachverständiger ein – und umgekehrt. Er kennt die technischen Zusammenhänge ebenso wie die Entscheidungen, die einem Unfall vorausgehen können. Im Gespräch schildert er, wie Zeitdruck, Selbstüberschätzung oder der unbedingte Wunsch, ein Ziel zu erreichen, Piloten in gefährliche Situationen bringen.
Dabei nimmt er sich selbst nicht aus. Er erzählt von eigenen Versäumnissen, unerwarteten Wetterbedingungen und einem Flug, den er schon nach einer Platzrunde abbrach. Die wartenden Passagiere mussten sich bis zum nächsten Morgen gedulden. Für Hinners wurde daraus eine Haltung, die ihn bis heute begleitet: die eigenen Grenzen ernst nehmen, Alternativen prüfen und im entscheidenden Moment Nein sagen.
Erfahrung weitergeben
Diese Überzeugung prägt auch seine Arbeit als Fluglehrer und Flugprüfer. In der Ausbildung legt Hinners Wert auf gründliche Vorbereitung und einen selbstkritischen Blick auf das eigene Handeln. In Seminaren verbindet er konkrete Fälle mit Fragen zu Haftung und Versicherung: Welche Verantwortung tragen Piloten und Fluglehrer? Wo können Deckungslücken entstehen? Und welche Folgen haben vermeidbare Nachlässigkeiten?
Auch beruflich bleibt er in Bewegung. Gemeinsam mit seiner Frau hat er die bestehende Kanzlei nach dem Ausscheiden zweier Partner übernommen und gestaltet sie weiter. Das Gespräch zeigt einen Menschen, der sich mit grosser Neugier in unterschiedliche Aufgaben vertieft – und dessen Begeisterung für die Fliegerei stets mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein verbunden ist.
Eine persönliche und aufschlussreiche Folge über selbst gewählte Berufswege, die Verbindung von fliegerischer Praxis und juristischem Wissen – und die Fähigkeit, auch unter Druck einen kühlen Kopf zu bewahren.
Über den Initianten Frank Liemandt
Seit fast 30 Jahren ist Dr. Frank Liemandt in der Luftfahrt tätig. Der studierte Geisteswissenschaftler und Quereinsteiger war unter anderem Pressesprecher, im Vertrieb von Flugzeugkomponenten und Kampfjets tätig, Geschäftsführer des Deutschen Hubschrauber Verbands sowie Messeleiter der EUROPEAN ROTORS. Seit 2014 führt er eine eigene Beratungsfirma. Für «Fly me to the top» nimmt er seine Gäste mit auf einen virtuellen Flug und spricht mit ihnen über ihre Karrierewege, Erfahrungen und persönlichen Wendepunkte.
Seit dem Start Mitte Februar erscheint jeden Donnerstag eine neue Episode, in der Persönlichkeiten aus der Luftfahrt Einblick in ihren beruflichen und persönlichen Werdegang geben.
COCKPIT ist Medienpartnerin
COCKPIT begleitet das Format als Medienpartnerin. Der Podcast ergänzt unsere Berichterstattung um eine persönliche Perspektive – weg von Schlagzeilen, hin zur Substanz und zu den Menschen hinter der Luftfahrt.
Die Gespräche sind auf Spotify, YouTube, Amazon Music, Audible, Apple Podcasts und Deezer abrufbar und werden auch über cockpit.aero sowie über die Social-Media-Kanäle von COCKPIT geteilt.
Vom Flughafenzaun ins Cockpit und bis in den Gerichtssaal: Kopfhörer auf, Platz nehmen in der Cessna T303 Crusader – und mit Stefan Hinners erfahren, weshalb ein guter Pilot auch weiss, wann er am Boden bleiben muss.

